Der Vampir von Penthaz
Wer alte Filme liebt, erinnert sich an Vampyr (1932), das Meisterwerk von Carl Theodor Dreyer. Es war der erste Film, den die Cinémathèque suisse erwarb. Eine schicksalhafte Wahl : Die Cinémathèque lebte von Anfang an von der Dunkelheit der Vorführsäle, nährte sich vom Nitrat der Filmspulen und wurde zu einem wahren Gedächtnismonster. In der Geschichte der Cinémathèque wimmelt es von Vampir-und Räubergeschichten :
— Markante Persönlichkeiten : der Logenmeister Claude Emery, der Maître du jeu Freddy Buache, der Schatzmeister René Favre, der Historiker Hervé Dumont, der Staffelläufer Frédéric Maire, und in der Rolle des Paten Erich von Stroheim ;
— Abenteuer in Serie : Rettung von Filmspulen, Transport des Archivs mit Lastwagen, Zwischenlager in einem Atomkraftwerk, Piratennest in einem Spielcasino, Wanderausstellungen in der Eisenbahn, Infiltration in die grossen Festivals mit einer Basis in Locarno ; Erstürmung des legendären Kinos Capitole ;
— Und im Mittelpunkt : die Ausführung eines von Anfang an perfekt durchdachten Plans : die Verbreitung der Siebten Kunst, die Anerkennung des Schweizer Films und seine Verankerung in der Verfassung und im Gesetz.
In Vampyr wird in einer alten Mühle gestorben. Die Cinémathèque suisse hat zwar einst in alten Stallungen gelebt. Nun aber wird sie, mit der Unterstützung des Bundes, in einem modernen Gebäude weiterleben, einem magischen Ort für die Bewahrung einer grossartigen Sammlung. Hier verwandelt sich — fantastischer könnte es nicht sein — das angesammelte Nitrat in digitales Material. Zur grossen Freude der Filmliebhaberinnen und Filmliebhaber von morgen.
Alain Berset
Bundespräsident